70. Geburtstag von Frangis Ali-Sade

Frangis Ali-Sade wurde in Baku/Aserbaidschan geboren. Am 28. Mai 2017 begeht sie ihren 70. Geburtstag. Frangis Ali-Sades höchst individuelle Musiksprache schwankt zwischen Orient und Okzident, zwischen Avantgarde und Tonalität, zwischen folkloristischen Einflüssen und neuen Techniken.

Zwischen 1965 und 1973 studierte Frangis Ali-Sade am Konservatorium in Baku Klavier und Komposition bei Kara Karajew, dessen Aspirantin sie von 1973 bis 1976 war. Im Anschluss an ihr Studium unterrichtete sie bis 1990 Musikgeschichte am Konservatorium ihrer Heimatstadt. Ab 1990 war sie für drei Jahre als Professorin für zeitgenössische Musik und Geschichte der Orchesterstile tätig und promovierte 1994 mit der Arbeit „Die Besonderheit der Orchestrierung in Werken aserbaidschanischer Komponisten“. Seit 1999 lebt Ali-Sade in Deutschland und ihrem Heimatland Aserbaidschan. Als Pianistin setzt sich Ali-Sade nachdrücklich für die Werke zeitgenössischer Komponisten Russlands und angrenzender Staaten, aber auch Amerikas und Europas ein. Ihrer Initiative ist es darüber hinaus zu verdanken, dass Werke der Zweiten Wiener Schule und Komponisten wie Olivier Messiaen, John Cage und George Crumb in Baku erstmals aufgeführt wurden.

In ihren zahlreichen Werken versucht die Komponistin, eine Brücke zwischen der westlichen Avantgarde und der Musik ihrer Heimat Aserbaidschan, aber auch anderer Regionen des Vorderen Orients zu schlagen. Ein zentraler Werkzyklus ihres Schaffens ist unter dem Oberbegriff „Silk Road“ (Seidenstraße) zusammengefasst.

Zwei Kräfte wirkten in ihr, sagte sie einmal, und aus dem Widerspruch ergebe sich das Neue. Ihr Stil wird beherrscht von einer eigenwilligen Synthese dieser beiden Welten, ein Klangereignis, das von kompositorischer Durchgestaltung noch unberührt scheint. Ali-Sade schafft eine Musik, in der östlich modales Denken mit westlich Konstruktivistischem verschmilzt.
Am 7. April 2017 brachten der Bariton Evez Abdulla, der Groot Omroepkoor und das Concertgebouw Orkest Amsterdam unter der Leitung von Martyn Brabbins die „Nasimi-Passion“ für Bariton, Chor und Orchester von Frangis Ali-Sade in Amsterdam zur Uraufführung. Über die Inspiration und die Hintergründe zu diesem Werk sagt die Komponistin:

„Vor genau sechs Jahrhunderten, im Jahr 1417, wurde in der Stadt Aleppo der aserbaidschanische Poet, Denker und Sufist Nasimi hingerichtet und begraben. Aus der Geschichte wissen wir, dass die besten Menschen ihrer Zeit den Tod auf dem Richtplatz fanden, Beispiele dafür gibt es genug. Und heute müssen sie hierzu nicht einmal bestimmt werden: Aleppo ist ausgebombt, und dort sterben alle – sowohl die besten Denker als auch einfache Menschen, und Kinder, und Alte!
Während ich an der Passion arbeitete, änderte sich die Situation in Aleppo jeden Tag und wurde immer schlimmer und schlimmer. Dieser Umstand hat meinem Stück eine bestimmte Prägung gegeben.
Auf der anderen Seite habe ich das große Glück, dass mein Leben mit Berlin verbunden ist und ich jedes Jahr in verschiedenen Kirchen Bachs Passionen höre. All diese Fakten, Gedanken und Gefühle haben sich in der Musik meiner Passion niedergeschlagen.“

Weitere Kompositionen aus jüngster Zeit sind „Duo of accordance“ für Klarinette und Violoncello“, „Raegs“ (Tanz) für Streichquartett, „Schwindende Schönheit“ für Viola d’amore, Barockcello, Schlagzeug und Harfe und „Leb wohl, vergiss!“ für Bariton und Klavier.

 

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